2018 | Carlsen Verlag | Graphic Novel | Rezensionen

Rezension: Der Dschungel: Nach dem Roman von Upton Sinclair von Kristina Gehrmann

Juli 10, 2020
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Kristina Gehrmann | Der Dschungel: Nach dem Roman von Upton Sinclair | Graphic Novel | 20.03.2018 | 384 Seiten | Verlag: Carlsen Verlag | Preis für HC: 28.- | Ansehen bei Amazon

KLAPPENTEXT

Kristina Gehrmanns Begeisterung für historische Stoffe und ihre Zeichenfertigkeit brachten ihr schon für ihre erste Graphic Novel “Im Eisland”, die von der Franklin-Expedition handelt, den Deutschen Jugendliteraturpreis ein. Nun hat sie Upton Sinclairs Roman „Der Dschungel” adaptiert.

Hoffnungsvoll kommt Ende des 19. Jahrhunderts eine litauische Auswandererfamilie in Amerika, dem Land ihrer Träume, an. Sie finden Arbeit in den Schlachthöfen von Chicago, aber nichts wird gut: Die hygienischen Zustände sind unbeschreiblich, Korruption scheint ein Naturgesetz zu sein, die Arbeitsbedingungen führen zum frühen Tod Erwachsener und Kinderarbeit wird für die Familie überlebensnotwendig.

Das Buch zeigt deutlich wie unsere Industriegesellschaft aussah, bevor es Errungenschaften wie Krankenkassen, Schulpflicht, Renten u.ä. gab. Und es erinnert durchaus an die aktuellen Zustände in Niedriglohnländern. [Quelle]


Das Buch lag schon länger auf meinem SuB wobei ich mich frage warum ich damit solange gewartet habe. Dies hier ist eine künstliche Adaption von Upton Sinclairs gleichnamigen Roman, der das Schicksal vieler Migrationsfamilien in Amerika des 19. Jahrhunderts beschreibt. Der Vegetarier Upton Sinclair schilderte die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen in den Fabriken und in Schlachthöfen Chicagos. Dieses brachte den damaligen Präsidenten Roosevelt dazu die Hygiene bei Metzgern gesetzlich einzufordern. Der Roman prangerte auch die Geschäftspraktiken von skrupellosen Geschäftsführenden an, die die den ausgebeuteten Einwanderern, die schon so schlecht bezahlt wurden, billige Holzhäuser für überteuerte Zinsen andrehten. Dies ist ein wirkliches interessantes Thema was teilweise immer noch aktuell ist.

Ich bin an dieses Buch ohne große Erwartungen ran gegangen und war sehr gespannt was mich hier wohl erwarten würde. Ich mochte das Buch unheimlich gerne. Der Zeichenstil wurde hier komplett in schwarz-weiß gehalten, was sehr passend zur Geschichte war. Hier wurde die Geschichte mit historischer Genauigkeit und dem Schrecken sehr gut umgesetzt. Es war spannend aber auch lehrreich sodass man immer weiter lesen wollte. Der gesamte Aufbau sowie Gestaltung des Buches ließ einen ins 19. Jahrhundert eintauchen. Die Atmosphäre war hier förmlich greifbar.

Im Zentrum der Graphic Novel steht die litauische Familie Rudkus, die ihre Heimat verlassen haben um in Amerika ihr Glück zu finden. Doch die anfängliche Euphorie lässt schnell nach. Sie finden schnell Arbeit und kaufen in der nähe der Fabriken ein kleines Haus. Doch der versprochene Wohlstand ist aber an harter Arbeit geknüpft. Doch die immer höheren Raten für das Haus und die schonungslosen Arbeitsbedingungen bringen sie schnell in einen Strudel der sie immer weiter dazu zwingt unwürdigere Arbeit zu verrichten. Die Autorin hat mit ihrer Adaption die Geschichte etwas entschärft dennoch gelingt hier sehr gut die eindringliche Schilderung der dunklen Seit des Amerikanischen Traumes. Hier wurde der Fokus stärker auf die Ausbeutung innerhalb des kapitalistischen Systems gelegt. Ich finde es wurde wunderbar Umgesetzt und regt einen zum Nachdenken an.


“Der Dschungel: Nach dem Roman von Upton Sinclair” ist ein großartiger Graphic Novel Roman der sich sehen lassen kann. Die Autorin hat hat geschafft die Atmosphäre des 19. Jahrhunderts und die Schrecken dieser Zeit perfekt einzufangen. Es ist schonungslos und ehrlich. Ich kann euch dieses Buch nur ans Herz legen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

©
Foto: Nadine Stang
Cover: Carlsen Verlag
Hummel Wertung mit Picsart

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